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Veranstaltungsbericht: Hot Topic zur begleitenden Kinderbeaufsichtigung im Rahmen des ESF Plus-Programms ‚Integrationskurs mit Kind Plus: Perspektive durch Qualifizierung‘
Am 14. September 2026 fand das DIFIS Hot Topic „Zwischen Integrationsanspruch und Betreuungsqualität: Was leistet die begleitende Kinderbeaufsichtigung im Rahmen des ESF Plus-Programms ‚Integrationskurs mit Kind Plus: Perspektive durch Qualifizierung‘?“ statt. 36 Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Praxis diskutierten online über die Qualität, Qualifizierung und Zukunft integrationskursbegleitender Kinderbeaufsichtigung. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Thurid Eggers, wissenschaftliche Mitarbeiterin (PostDoc) in der Arbeitsgruppe Lebenslauforientierte Sozialpolitik am SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine zentrale Herausforderung an der Schnittstelle von Integrations- und Familienpolitik: Die Teilnahme an einem Integrationskurs kann für Eltern mit kleinen Kindern daran scheitern, dass kein regulärer Betreuungsplatz zur Verfügung steht. Das ESF Plus-Programm „Integrationskurs mit Kind Plus: Perspektive durch Qualifizierung“ setzt hier mit einem niedrigschwelligen und subsidiären Angebot an. Die integrationskursbegleitende Kinderbeaufsichtigung soll Eltern die Teilnahme am Integrationskurs ermöglichen und zugleich eine Brückenfunktion für den Übergang der Kinder in die reguläre Kindertagesbetreuung übernehmen. Im Zentrum des Hot Topics stand deshalb die Frage, welche Qualität ein solches Angebot gewährleisten kann und soll, welche Rolle Qualifizierung und Unterstützungsstrukturen dabei spielen und unter welchen Voraussetzungen eine Verstetigung gelingen kann.
Den Auftakt machte Tobias Wandrei, Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), mit einer Einführung in das ESF Plus-Programm. Er erläuterte die integrationskursbegleitende Kinderbeaufsichtigung als subsidiäres Brückenangebot für Eltern, die noch keinen regulären Betreuungsplatz nutzen können. Sie soll die Teilnahme am Integrationskurs ermöglichen und den Übergang der Kinder in die reguläre Kindertagesbetreuung erleichtern. Weitere Ziele sind die Qualifizierung von Kinderbeaufsichtigungspersonen und die Sicherung der Qualität der Angebote.
Dr. Nora Jehles, Technische Universität Dortmund, stellte zentrale Ergebnisse der programmbegleitenden Evaluation zur Qualität der Kinderbeaufsichtigung vor, die auf quantitativen Befragungen von Trägern und Kinderbeaufsichtigungspersonen sowie ausgewählten Fallstudien (Beobachtungen und Interviews) basieren (vgl. Hogrebe & Jehles 2026). Die Befunde zeigen insgesamt günstige strukturelle Voraussetzungen und ein „mittleres bis hohes Qualitätsniveau in zentralen Bereichen“. Insbesondere die Interaktionen mit den Kindern sowie der Austausch mit den Eltern wurden überwiegend positiv bewertet. Wenngleich in den Fallstudien auch Unterschiede sichtbar wurden, sei die Qualität der Kinderbeaufsichtigung insgesamt in vielen Bereichen mit der Kindertagespflege vergleichbar. Zugleich bestehe Entwicklungsbedarf: Unterstützungsangebote seien unterschiedlich ausgeprägt und nicht dauerhaft abgesichert. Zudem fehlten bislang passgenaue Qualitätsinstrumente. Perspektivisch brauche es daher „kontextsensible Qualitätsmaßstäbe, die den Besonderheiten der Kinderbeaufsichtigung gerecht werden“.
Anne Schumacher, Stiftung SPI, Servicestelle Integrationskurs mit Kind Plus, stellte die Online-Fortbildung für Kinderbeaufsichtigungspersonen vor. Das niedrigschwellige digitale Angebot umfasst zwei Module mit insgesamt 80 Unterrichtseinheiten und vermittelt pädagogische Grundlagen sowie Kompetenzen für den Umgang mit Kindern mit Flucht- und Migrationsgeschichte. Zudem präsentierte Schumacher Ergebnisse des Monitorings: Die Fortbildung werde insbesondere aufgrund ihrer einfachen Sprache, zeitlichen Flexibilität und praxisnahen Inhalte positiv bewertet. Als hilfreich erwiesen sich zudem die Beratung durch die Servicestelle sowie die Unterstützung durch Kursträger und erfahrene Kolleg*innen.
Anschließend richtete Tobias Wandrei den Blick auf die Verstetigung des Programms. Da die Kinderbeaufsichtigung als niedrigschwelliges, subsidiäres Angebot konzipiert ist, seien für eine nachhaltige Weiterführung insbesondere „verbindliche Qualitätsstandards“, „fachliche Begleitung und Austausch“ sowie eine „dauerhafte strukturelle und finanzielle Absicherung“ erforderlich. Für die Verstetigung brauche es daher „kontextsensible und passgenaue Ansätze“
Mit Anne Buchheister, Koordinatorin der Interkulturellen Arbeit mit Eltern und Kindern, infrau e.V., kam anschließend die Perspektive eines Trägers hinzu. Sie ergänzte die wissenschaftlichen und programmbezogenen Befunde um Erfahrungen aus der praktischen Umsetzung der integrationskursbegleitenden Kinderbeaufsichtigung. Damit rückten insbesondere die konkreten Rahmenbedingungen vor Ort und die Frage in den Mittelpunkt und die Frage in den Mittelpunkt, wie sich Qualität über die Qualifizierung der Beaufsichtigungspersonen hinaus im Arbeitsalltag tatsächlich umsetzen und absichern lässt.
In der anschließenden offenen Diskussion mit den Teilnehmenden wurden die unterschiedlichen Perspektiven zusammengeführt. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Voraussetzungen für eine Verstetigung und mögliche flächendeckendere Umsetzung des Angebots sowie die Frage, was sich aus dem Programm für die Gestaltung von Schnittstellen zwischen Integrationsangeboten, Kinder- und Jugendhilfe und regulärer Kindertagesbetreuung lernen lässt. Damit wurde auch ein Spannungsfeld deutlich, dass die gesamte Veranstaltung durchzog: Die integrationskursbegleitende Kinderbeaufsichtigung soll bewusst niedrigschwellig und subsidiär bleiben, zugleich zeigen die Erfahrungen aus der Praxis und Evaluation, dass gute Qualität verlässliche Qualifizierung, fachliche Begleitung und tragfähige Strukturen benötigt.
Das Schlusswort sprach Professorin Dr. Nina Hogrebe, Technische Universität Dortmund. Sie betonte nochmals die zentrale Bedeutung des Übergangs in die reguläre Kindertagesbetreuung: Ziel müsse es sein, alle Kinder in Kitas zu bringen. Zugleich brauche es passgenaue Angebote für Familien und Kinder, bei denen dieser Übergang nicht unmittelbar gelingt. Gerade darin liege die Bedeutung von Angeboten wie der integrationskursbegleitenden Kinderbeaufsichtigung: Sie können Zugänge ermöglichen und Übergänge unterstützen, dürfen aber das reguläre System der Kindertagesbetreuung nicht ersetzen.
Das DIFIS bedankt sich bei allen Inputgebenden, der Moderatorin sowie den Teilnehmenden für die engagierte Diskussion.
Gerne stellen wir hier die Folien der Inputs – sofern welche verwendet wurden – als PDF-Dateien bereit:
Die Videoaufzeichnung der Veranstaltung finden Sie hier.
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